Kinderschutz-App in MV

Digitalisierung in der sozialen Arbeit

Die Kinderschutzapp für Fachkräfte mit Berührungspunkten zum Themenfeld Kindeswohlgefährdung ist da.

Bei dem Thema Kindeswohlgefährdung gibt es selbst bei Fachleuten wie ärztlichem Personal und pädagogischen Fach- und Lehrkräften Unsicherheiten. Zwar ist jeder Fall verschieden und jede Situation muss individuell betrachtet werden, dennoch gibt es Möglichkeiten für Fachkräfte, sich im Kindesschutzverfahren zurechtzufinden.

Intuition und Erfahrungen können gute Wahrnehmungskanäle für den Verdacht einer Kindeswohlgefährdung sein, gleichzeitig stellen sie sich selbst erhaltende und sich selbst verstetigende Systeme dar. Daher kann es gewinnbringend sein, die eigene Wahrnehmung um einen zusätzlichen Kanal zu erweitern. Dies gilt im besonderen Maße für den Bereich Kinderschutz und dem Verdacht einer Kindeswohlgefährdung.

Das Land Mecklenburg-Vorpommern möchte Fachkräfte in diesem Prozess unterstützen und stellt seit diesem Jahr als erstes Bundesland eine Kindeschutz-App zur Verfügung. Die App soll Sicherheit und Orientierung bieten

Kinderschutz-App

Funktionsweise

Die App sagt einem nicht was man zu tun hat. Sie ist auch kein Diagnoseinstrument, die eine Fachkraft ersetzen soll. Die Verantwortung liegt weiterhin bei der Fachkraft. Öffnet man die App, wählt man zunächst die eigene Position aus. Zur Auswahl stehen:

  • Fachkräfte aus der Jugendhilfe
  • Lehrkraft
  • Arzt/Ärztin
  • Berufsgeheimnisträger

Nachdem man seine Rolle ausgewählt hat, wird man zu einem weiteren Bildschirm weitergeleitet, auf dem man auswählen kann, was man tun möchte. Die Auswahlmöglichkeiten unterscheiden sich je nach angegebener Tätigkeit. Möglichkeiten sind zum Beispiel:

  • Anhaltspunkten nachgehen
  • Hilfen anbieten
  • Die Situation erörtern
  • Eltern ansprechen
  • Meldung machen
  • Hilfen kontrollieren

Wählt man das entsprechende Feld aus, gelangt man zum Leitfaden. Anhand von Fragen wird der Prozess des Verdachtes einer Kindeswohlgefährdung aufgezeigt. Nutzende werden anhand von Ja/Nein-Fragen geleitet. Je nachdem, wie die Fragen beantwortet werden, werden von der App weitere Fragen gestellt und Handlungsmöglichkeiten für die Fachkraft aufgezeigt. Es ist möglich den Prozess bis zur Meldung an das Jugendamt zu durchlaufen. Die aufgezeigten Handlungsmöglichkeiten bieten eine gute Möglichkeit, den eigenen Handlungsweisen einen neuen Rahmen zu geben.

Technische Fragen

Der erforderliche Speicherplatz beträgt 6,74 MB für die Download-Datei und für die installierte App etwa 11 MB. Der Download sollte selbst mit langsamen Verbindungen nicht zu lange dauern. Die Anwendung der App läuft problemlos, wohl auch auf älteren Smartphones. Die App wirkt nicht überladen und hat ein einfaches, aber ansprechendes Design.

Problematisch bei der Installation ist, dass die App nur über einen Link und nicht über einen App-Store installiert werden kann. Dies hat zur Folge, dass bei der Installation zunächst das „Installieren aus unbekannten Quellen“ erlaubt werden muss. Andererseits hat dies aber den Vorteil, dass das Smartphone nicht über einen personengebundenen Account (wie etwa ein Google-Konto) verfügen muss, um die App zu nutzen.

Es ist möglich die App zu nutzen, ohne sich einzuloggen bzw. registrieren zu müssen. Eine Registrierung bietet die Möglichkeit, einzelne Fälle zu speichern. So wird die Dokumentation erleichtert. Die App verfügt zudem über einen Kontakte-Speicher. Interessant sind ebenfalls die Fachinformationen, die über kompakte Informationen zur Kindeswohlgefährdung und Hilfsangeboten bis hin zu relevanten Gesetzestexten reichen.

Fazit

Die Kinderschutz-App ist gerade für Fachkräfte, die sich nicht täglich mit den Prozessen des Kindesschutzes auseinandersetzen, ein nützliches Werkzeug, das dabei helfen kann, die eigene Intuition in strukturierte Bahnen zu lenken und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Die einfache technische Handhabung ermöglicht es, selbst weniger digital affinen Menschen, diese App zu nutzen. Die Kinderschutz-App zeigt deutlich, wie digitale Werkzeuge auch in der sozialen Arbeit einen Mehrwert darstellen können.

Die Kinderschutz-App kann hier heruntergeladen werden:
www.kinderschutz-app-mv.de

(Der Link muss vom mobilen Endgerät aus aufgerufen werden)